Das Frühjahr lässt den Hopfen sprießen und schon schnell winden sich die frischen Triebe um die gespannten Drähte. Etwas Pferdemist sorgt für die notwendige Düngung, die Hühner scharren wieder alles auseinander und auch die Gänse erkunden die neuen Gewächse.
Die Pflanzen schießen regelrecht in den Himmel, als wollten sie klären, wer als erste das Ende des Gerüsts erreichen wird. Nun kann die Blüte beginnen und zahlreiche Insekten tummeln sich im Grün, welches sie gerade ihr zu Hause nennen.
Die Trockenheit des Sommers fordert ihren Tribut – aber zum Glück gibt es zahlreiche helfende Hände, die so manche Gießkanne, gefüllt mit frischem Brunnenwasser, verteilen.
Spätsommer – die Dolden schimmern in der Sonne – und wollen nun gepflückt werden.
Man sollte es sich schon gemütlich machen, wenn man zum Hopfenpflücken geladen ist. Bequeme Sitzgelegenheit, vielleicht ein dickes Kissen, erfrischende Getränke und natürlich nette Gesprächspartner.
Die Hopfenranken sind satt und üppig gefüllt. Sie werden abgeschnitten und auf dem alten, groben Holztisch drapiert, so dass jeder eine ausreichende Menge Pflückmaterial vor sich liegen hat.
Jede Dolde wird nun behutsam abgezupft, landet zunächst im Körbchen, dann auf der Waage und später im Jutebeutel.
Routinierte Hände können durchaus ein Pfund in einer Stunde schaffen. Aber bei so viel Auswahl, möchte man nur die schönsten Exemplare haben – nicht zu klein, nicht zu weich, nicht zu hart – einfach möglichst makellos.
Eine solche Arbeit ist wie geschaffen für’s Philosophieren. Die Zeit wird zum Verbündeten, man kann seinen Gedanken ausgiebig freien Lauf lassen, ganz entspannt dem Gegenüber zuhören und dem Gedankenfluss folgen.
Diese Szenerie: ‚Menschen des 21. Jh sitzen plaudernd und geschäftig im Garten beim Hopfenpflücken hätte sicher auch so manchen Alten Meister in seiner Zeit zu einem Landschaftsgemälde in Öl inspirieren können.
Die Kellerarbeit findet dann wieder in der Gegenwart statt. Der Frischhopfen wird in modernem Gerät gekocht, verbreitet den typischen Geruch und offenbart schon eine kleine Vorahnung auf das neue Bier.
Jetzt gilt es abzuwarten, ob das zukünftige Bier den überdimensionalen Einsatz von Zeit und Personal zu würdigen weiß und sich entscheidet, besonders lecker zu werden.
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